Rechte Musik

Das Medium Musik wird immer häufiger von Rechten als Verbindungstück und Werbemittel genutzt. Die NPD sorgte mit ihrer "Aktion Schulhof", bei der sie CDs mit Liedern rechtsgerichteter Bands verteilte für Aufsehen, und die "Böhsen Onkelz", die ihre Karriere mit Titeln wie "Türkenfotze" begannen, sind plötzlich salonfähig.

Zu Beginn der neunziger Jahre richtete sich das Augenmerk der Medien nach den Anschlägen von Hoyerswerda und Solingen besonders auf die Skinheadszene mit Bands wie Störkraft oder Böhse Onkelz. Nach dem Abebben dieses Trends der Berichterstattung entwickelte sich jedoch eine rechte Musikszene, die professionalisierter arbeitet und in vielen  Genres angesiedelt ist. So verbreiten LiedermacherInnen wie Frank Rennicke, Annett Moeck und Michael Müller  in ihren Texten "deutsche Werte", bedienen sich aber auch bei dem -ursprünglich eher im linken Milieu  angesiedelten-  Protestsong. Auch die Genres Techno, Neofolk und Heavy Metal werden genutzt. Zur Zeit existieren circa 100 rechte Gruppen, die in ihrem Auftreten und Tonfall zunehmend dezenter auftreten und auch schon mal gerne Landschaftsbilder von Caspar David Friedrich statt Weltkriegsästhetik als Cover wählen.

Trotzdem ist  Rockmusik immer noch das größte Genre innerhalb der rechten Jugendkultur. Diese  besteht in erster Linie aus der Skinheadszene, die Anfang der Achtziger Jahre im Schlepptau der Hooligans nach Deutschland kam.

Sie entstand ursprünglich in den 60er Jahren in der englischen Arbeiterjugend. Ihre Musik war von der Reggae- und Ska- Einflüssen geprägt. Ende der 70er Jahre entwickelte sich eine zweite Generation Skinheads, die politisch motiviert war und am rechten Rand stand. Diese "White-Power"-Skins brachten Rock- und Punkelemente  und rassistische Texte mit der ursprünglich kosmopolitischen Musik der ersten Generation zusammen. Den neu kreierten Musikstil nannte man Oi.

Die Inhalte des rechten Oi-Punk  sind  geprägt von einer durchgehenden rassistisch- gewalttätigen Grundstimmung. Selbst in Liebesliedern werden nazistische Schlagworte wie "Rassenhygiene" oder "Blutschande" verwendet. Die Sprache ist simpel und dient  dazu, eine emotionale Haltung  zu erzeugen, der Erzählstrang ist sekundär. Es werden Parolen wiedergegeben, die der Hörer bereits kennt. Feindbilder sind Ausländer, Behinderte, Drogenabhängige, Obdachlose und Linke, deren Ermordung in vielen Texten explizit geschildert wird.

Als positive Themen werden diesem enormen Hass das Vaterland, Heroismus, Sauberkeit, Kameradschaft und Alkohol entgegengestellt. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, das die Liedtexte propagieren, wird auch bei den Konzerten erzeugt: oft haben sie fast schon konspirativen Charakter,  finden an Orten statt, die erst kurz vorher bekannt gegeben werden  oder als Geburtstagsfeiern getarnt. Der Hauch des Illegalen schweißt die Zuhörer zusammen und macht die Konzerte für Jugendliche besonders attraktiv. Beim Konzert selbst wird die Trennung zwischen Bühne und Publikum aufgehoben. Oft kommt es auch zu einem Wechselgesang zwischen Sänger und Zuhörern, die die strafrechtlich bedeutenden Textstellen übernehmen und so die Zensur umgehen, gleichzeitig aber auch selbst letzte  Skrupel ablegen und  in der Masse aufgehen.

Die Brisanz von rechtsradikaler Musik darf nicht unterschätzt werden:  häufig dient sie Jugendlichen lediglich als Möglichkeit der Provokation , um sich vom Mainstream und den als gutmenschhaft empfundenen Lehrerinnen abzusetzen. Aber sie hat einen gefährlichen Einfluss auf die Sozialisation ihrer Zuhörer, die ihre Unbedarftheit schnell ablegen, ihre Lebenswelt in den Texten wieder finden und eventuell selbst zu Gewalttätern werden.

Von Anna Caelers

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